Wann ist eine geführte Zen-Meditation zu Hause sinnvoll?

Ich habe zu Hause einen schönen, einladenden Platz für die Meditation, nehme mir Zeit und lasse mich voll und ganz auf die Ruhe und die Stimmung ein – merke aber dennoch, irgendwie komme ich nicht rein … Im Seminar hat das mithilfe der geführten Meditation ganz wie von selbst geklappt, und ich könnte mir sowas auch zu Hause vorstellen, zum Beispiel mithilfe einer CD. Hätte das den gewünschten Effekt, macht eine geführte Meditation Sinn, wenn man nicht „reinkommt“

 

Der Erfolg der Meditation hat sehr viel zu tun mit dem Sprecher

Ja, auf jeden Fall! Daran arbeiten wir im Zen-Leadership intensiv und entwickeln uns weiter, so daß wir es als CD und mp3 verfügbar machen können. Das ist ungemein sinnvoll, denn der Erfolg der geführten Meditation hat sehr viel zu tun mit dem Sprecher, und das ist ein gutes Hilfsmittel. Immer wenn ich nicht reinkomme, ich merke, da ist eine Schwierigkeit, kann eine geführte Meditation etwas bringen.

 

Schwerpunkt auf „live“ geführter Meditation

Natürlich liegt der Schwerpunkt zunächst einmal darauf, die geführte Meditation „live“ zu machen: All unsere Taiwa-Trainer werden darauf geschult, dass sie in den einzelnen Zendos dieses Instrument beherrschen, weil man es dort auf die jeweiligen Bedürfnisse eines jeden Einzelnen anpassen kann. Bin ich in einer Gruppe und mache eine geführte Meditation, z. B. für 16 Leute, dann sind das 16 verschiedene Menschen, Persönlichkeiten, da muss ich spüren, wo die hingehen, und gebe jedem etwas Spezielles. So wird auf jeden Einzelnen individuell eingegangen, das ist das Optimale, und einer der vielen Gründe, weshalb ein Zen-Leadership-Seminar so wirkungsvoll und heilsam ist.

Allein, ist das Seminar zu Ende, und ich fahre wieder nach Hause, versuche ich natürlich möglichst viel von dem, was ich mitgenommen habe, auch zu Hause umzusetzen. Vieles davon geht leicht, und es kostet mich nichts mehr als ein wenig Disziplin, mir die Meditation zu Hause so einzurichten, weiterhin in meiner eigenen Mitte zu bleiben. Anderes ist nicht so leicht umzusetzen, vielleicht kann ich nichts tun gegen den Straßenlärm von draußen, oder ich werde anderweitig gestört – auch merke ich vielleicht, dass mir der Teil der Meditation fehlt, der mich während des Seminars geführt hat. So ist es sicherlich hilfreich, wenn man aus welchem Grund auch immer die Meditation unterbrochen hat, und jetzt nicht mehr in dem Maße diese Vorgänge umsetzen konnte – einfach mal um wieder zu starten, um wieder hereinzukommen –, sich von einer geführten Mediation leiten lässt. Dies geschieht aber am besten auf einem Zen-Sesshin, weil Lehrer, Meister, auch in der Gruppe eine Einheit bilden von immer wieder neuem Hier und Jetzt. Für mich als Zen-Meister ist keine geführte Meditation gleich, genauso wenig für den Teilnehmer oder Schüler.

 

Zen-Meister Hinnerk Syobu Polenski
im Dialog mit Teilnehmern des Zen Leadership Seminars, 2016