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Wie gehe ich im Alltag mit Zeitdruck und innerem Druck um ?

Als Führungskraft genieße ich es sehr, im Rahmen eines Zen-Leadership-Seminars endlich einmal für eine gewisse Zeit Ruhe und innere Einkehr zu finden, gerade weil ich weiß, dass es danach zu Hause wohl leider nicht so bleiben kann … Zen-Meditation und der stressige Alltag scheinen auf den ersten Blick zwei Aspekte, die sich nur schwierig unter einen Hut bringen lassen. Gibt mir Zen die Möglichkeit, dem Zeitdruck und inneren Druck auch im Alltag zu begegnen?

 

Zeitdruck und Druck ist ganz normaler Bestandteil des Alltags

Es gibt im Leben Zeitdruck und Druck in vielen Möglichkeiten. Das ist auf Dauer keine gute Sache für alle Beteiligten. Es gibt im Leben immer wieder besondere Situationen, wo etwas passiert.

Wenn ich auf der Straße fahre, und plötzlich einen Unfall sehe, dann bin ich in einer Situation, wo ich einfach extrem schnell handeln muss. Und ich weiß vielleicht überhaupt nicht, was ich tun muss, weil ich vergessen habe, was Erste Hilfe war; dann ist das ein extremer Zeitdruck, und trotzdem muss ich richtig und angemessen handeln.

Solche Situationen gibt es. Dabei muss es nicht unbedingt um Leben und Tod gehen, der Zeitdruck – jede Form von Druck besteht gerade unter Führungskräften im Alltag, jeden Tag. Es gibt Situationen in Unternehmen, die erfordern schnelles, klares Handeln. Und es bringt auch noch Gefahr mit für mich, meine Karriere, für Mitarbeiter, ihre Arbeitsplätze, ihre Existenz, ja auch für die Menschen im Umfeld. Da entsteht Druck und das ist auch wirklich richtig.

Und wenn mich das für Momente an die Grenze bringt und für kurze Zeit über die Grenze hinweg, und wenn ich anschließend vollkommen erledigt und erschöpft bin – dann ist das vollkommen in Ordnung.

Die Verantwortung und die Arbeitslast als Führungskraft bringen es ganz unweigerlich mit, dass es immer mal wieder Situationen und Phasen geben wird, in denen ich extrem unter Zeitdruck, überhaupt unter Druck stehe – wenn das aber ein Dauerzustand ist, dann ist etwas extrem verkehrt, entweder in meinem Leben oder in dem System, in dem ich mich befinde.

 

Anhalten und Klarheit gewinnen ist die höchste Zen-Leadership-Pflicht!

Das heißt, diese Frage bedeutet, ich muss erstmal anhalten. Ich kann nicht sagen, Zen ist eine Methode, wie ich jetzt mit dem Dauerstress klarkomme, und gebe mich damit zufrieden. Denn das würde ja bedeuten: Wie kann ich in dem Wahnsinn noch wahninniger agieren mithilfe von Zen? Das geht nicht.

Das ist nicht nur ethisch nicht vertretbar, sondern wird unweigerlich zu neuen Blockaden, zu neuen schlaflosen Nächten oder gar Panikattacken führen. Ich muss dann mutig sein, tiefen Mut haben, und einfach anhalten, und im Zen-Leadership-Training bieten sich viele Möglichkeiten dazu. Anhalten und Klarheit gewinnen, wenn die Dinge aus dem Rahmen laufen, ist die höchste Zen-Leadership-Pflicht.

 

Zen hilft auch, den Körper zu schützen

Tue ich das nicht, wird sich das irgendwann und unweigerlich negativ auf meinen Körper auswirken: Der schlimmste Fall, wenn das gar nicht geht, ist doch, dass ich krank werde, so krank, dass ich eigentlich nicht arbeiten kann. Deshalb muss ich einfach anhalten, und sehen: „Was passiert hier eigentlich? Was ist hier eigentlich los mit mir in meinem Leben und drumherum?“

Ausnahmezustände sind wie gesagt kein Problem, aber das darf nie länger gehen, keine längere Phase. Unser Körper ist schlichtweg dafür nicht gebaut. Es ist ja nicht so, dass ich unter Zeitdruck, überhaupt unter Druck – nur gestresst bin oder schlecht schlafe. Ich zerstöre mein Immunsystem damit, denn dafür sind wir nicht konstruiert.

Kein Lebewesen ist für eine Dauerstressbelastung konstruiert. Nach einer Zeit x, und die ist für jeden Menschen unterschiedlich, ab einem bestimmten Punkt, altern wir schneller, wir werden schneller krank, unser gesamtes System fängt an einzubrechen, und wir regenerieren langsamer. Und wenn man sieht, dass es bald so weit ist – spätestens dann hat man doch das Recht, zu stoppen. Jeder!

 

Zen-Leadership findem im Alltag statt

Zen-Leadership gibt uns die Möglichkeit dazu, sowohl es gar nicht erst so weit kommen zu lassen, als auch dann, wenn es eigentlich schon fast zu spät ist. Im Rahmen eines oder mehrerer Leadership-Seminare bekomme ich die Möglichkeit anzuhalten und zu meiner inneren Mitte zu finden. Und – ganz wichtig –  auch die Werkzeuge mit auf den Weg, dies auch weiterhin im Alltag zu können.

Diese Wirkung der Kombination aus Meditation, Vier-Augen-Gesprächen und geistigem Input vor Ort endet ja nicht mit dem letzten Seminartag, sondern im Gegenteil gibt sie das nötige Rüstzeug für das, was danach kommt!

Zen-Meditation, die Übung, Zazen genannt, findet im Seminar oder bei mir zu Hause z. B. am Morgen statt. Zen findet im Alltag statt. Zen-Leadership findet im Führungsalltag, im Alltag von Verantwortungsträgern statt.

 

Zen-Meister Hinnerk Polenski
im Gespräch mit Teilnehmern des Zen Leadership Seminars, 2015

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Zen-Meditation outside

Mein Meditationsplatz zu Hause ist eigentlich schon ideal, einladend, optimal ausgerichtet und schön ruhig – dennoch fühle ich darüber hinaus, bei schönem Wetter, manchmal das Bedürfnis, meine Meditation nach draußen zu verlegen. So schön es auch ist in der Natur, aber ist eine Meditation im Freien auch genauso sinnvoll?

 

Am Anfang lieber auf drinnen beschränken

Das hängt ganz stark davon ab, wie fortgeschritten ich in meiner Übung und in meiner Meditation bin, und ist daher für jeden Einzelnen davon abhängig, wie ich für mich am besten in die eigene, persönliche Übung komme und mich entspannen kann. In der Regel ist es aber so, dass sich die Frage, ob der „Raum“, der ja nicht notwendigerweise an Begrenzungen in Form von Mauern oder Wänden gebunden ist, draußen oder drinnen sein soll, für den Anfang noch gar nicht stellt: Draußen ist etwas fortgeschrittener, denn im ersten Moment ist es zwar draußen sehr schön, aber Energie in Form von Wind lenkt extrem ab, und damit muss man umzugehen wissen. Wenn ich draußen sitze und es ist Sonne, ist es zwar zunächst sehr angenehm, aber plötzlich ist Wind – das ist einerseits sehr kraftvoll, bringt aber gleichzeitig eine große Unruhe in die Meditation.

 

Mit gutem Hara nach draußen weitergehen

Erst später dann, wenn ich ein gutes Hara habe, ist es möglich und sogar ideal, draußen zu sitzen. Draußen ist gefühlt die doppelte Energie, aber gerade am Anfang muss ich gucken, ob ich draußen wirklich meine Mitte finden und mein Hara stärken kann. Man denkt, das ist so ein Klischee, man setzt sich raus und es ist alles hübsch – aber du kommst nicht in die Ruhe. Deshalb gilt, am Anfang lieber innen einen einladenden Platz zu suchen, und diesen ganz individuell auf mich abzustimmen. So finde ich ganz automatisch mehr und mehr die Kraft, das Hara zu entwickeln, irgendwann später weiterzugehen – und dann kann auch ein Platz draußen sinnvoll sein.

 

Achtsamkeit und Hier sein

Etwas anderes ist es, wenn ich bewusst in der Natur sein will, bewusst mich und die Welt wahrnehmen möchte. Achtsamkeit in der Natur heißt einfach still, weit und offen sein. Ich gehe kurz in eine Übung, die das Denken zur Ruhe bringt, und nutze dann die Meditationshaltung, um in Stille und Verbundenheit vollkommen hier zu sein. Ich setze mich an den See, keiner ist mehr da. Ein Blatt fällt auf das Wasser.

 

Zen-Meister Hinnerk Syobu Polenski
im Dialog mit Teilnehmern des Zen Leadership Seminars, 2016

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Intuition und Weisheit im Zen-Leadership

Gibt es eine Zen-Übung, die mir hilft, mich mit meiner Intuition und inneren Weisheit zu verbinden?

Gerade aus dem Aspekt „Leadership“ heraus ist die innere Weisheit, die Intuition, ganz entscheidend für Führungskräfte. Gibt es eine Zen-Übung, die vor diesem Hintergrund speziell darauf ausgerichtet ist, mich mit meiner Intuition und meiner inneren Weisheit zu verbinden?

 

Intuition und innere Weisheit sind zentrale Kernpunkte des Zen-Leadership-Wegs

Auf jeden Fall, das ist die Grundebene aller Übungen im Daishin-Zen und zeichnet auch in allerstärkstem Maße das traditionelle, japanische Zen aus. Der Begriff Sunyata (Leerheit) bezeichnet darin den Kern. Sunyata bedeutet im Zen Leerheit. Vollendete Freiheit könnte eine europäische Übersetzung sein. Offene Weite ein Schritt dahin. Sunyata ist die Dimension, aus der reine Weisheit sich öffnet. Weisheit ist die Mutter aller Intuition, Inspiration, aller Klarheit und Orientierung. Und Achtsamkeit und Weite ist die Vorstufe davon – deshalb wird gerade im Zen-Leadership ein so starkes Augenmerk auf die Zen-Achtsamkeitsübungen gelegt, die sich an vielen Punkten vom zurzeit populären Achtsamkeitstraining unterscheiden. So gibt es entsprechend viele verschiedene Achtsamkeitsübungen im Zen-Leadership. Ein Zen-Leadership-Seminar bietet mir dabei die optimale Möglichkeit, diese Übungen kennen zu lernen, und im Rahmen geführter Meditation und vor allem Vier-Augen-Gesprächen mit dem Zen-Meister ein Gefühl dafür zu bekommen, wohin mich die einzelnen Übungen bringen. Dann ist es an mir, zu schauen, welche für mich passt, um mich dann der eigenen Mitte und der inneren Intuition und Weisheit immer weiter zu nähern.

 

Weg zur inneren Weisheit für jeden individuell

Das ist ein Weg, der natürlich nicht von heute auf morgen gegangen werden kann – vielmehr kann es dann sein, dass ich merke, dass im Übungsfeld „Weisheit“ Hindernisse auftauchen. So ist Stress, Verstrickung, „alles dringend, immer und sofort“, ein sehr ungünstiges Umfeld für Weisheit, aber manchmal ist gerade hier innere Weisheit besonders notwendig. Das Haupthindernis ist immer, ob in entspannter oder angespannter, hektischer Umgebung: inneres Festhalten, innere Enge, unangemessene Verstrickung. Das ist erst mal vollkommen normal und überhaupt kein Anlass zur Sorge, denn es gibt dann erst mal andere Übungen, die diese Hindernisse auflösen. So sind diese Übungen und Übungskombinationen für jeden individuell, und kein Weg ist gleich – und es gibt manchmal Zwischenschritte, Meilensteine, aber so sehe ich schnell, wie ich immer weiter vorankomme auf diesem Weg, und mein Ziel, eins zu sein mit meiner Intuition und innerer Weisheit, immer mehr in greifbare Nähe rückt, anstatt mit einer Übung sehr lange Zeit scheinbar ohne Erfolg weiter zu kommen. Wir Menschen im Westen brauchen Zwischenschritte, kleine Erfahrungen, die unseren Weg sichtbar, ernsthaft vertiefen. Gerade bei so einem großen Thema wie Weisheit. Liebe zur Weisheit (philosophia) oder einfach mal so Meditieren reicht da nicht.

„… Auf dieser Erkenntnis gründend, stellt der chinesische Ch’an-Buddhismus, ebenso wie seine als „Zen“ bekannte japanische Ausformung den Versuch dar, auf das Urerlebnis des Buddhismus zurückzugehen und Buchwissen durch Erfahrung, Gelehrsamkeit durch Intuition und den historischen Buddha durch die Erleuchtung des eigenen Geistes zu ersetzen.“ (Zitat: Lama Anagarika Govinda)

 

Zen-Meister Hinnerk Syobu Polenski
im Gespräch mit Teilnehmern des Zen Leadership Seminars, 2015

Zen – Krisenintervention ?

Kann Zen in Krisenzeiten helfen ? 

Der Weg zur eigenen Mitte hat keine Grenze

Zen-Meditation ist ja nichts anderes, als der Weg, in die eigene Mitte zu kommen, und als solcher niemals verkehrt und immer ratsam. Selbst wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sollte ich es immer versuchen, egal was passiert in meinem Leben. Wie jemand der ertrinkt und nicht gut schwimmen kann; er würde dennoch immer versuchen an Land zu kommen, und auch spüren, daß das, was er tut, hilft.

 

Sich wieder Ausrichten auf die Stärkung unserer Ressourcen

Wenn man lange geübt hat, stellt man fest, dass eine bestimmte innere Zen-Übung, ein Zen-Training einem eigentlich am besten hilft. Die wichtigste Hilfe dabei ist, dass die Ressourcen wieder hergestellt werden.

Wenn man das lange genug macht, dann ist man so konditioniert, daß es egal ist, was um einen herum passiert: Ganz reflexartig gehe ich in einen bestimmten Zustand, vielleicht kann man das eher Zustand nennen als Meditation. Und umso schlimmer die Umstände um mich herum sind, umso tiefer gehe ich reflexartig in diesen bestimmten Zustand, der mir hilft, meine eigene Mitte wiederzufinden und meine Energie wiederzuerlangen.

Für den Anfänger ist das eher der Hara-Zustand, entstanden durch tägliche Zen-Übung: nicht verwirrt im Kopf, panisch-emotional im ganzen Körper, sondern ruhig, kraftvoll zentriert im Unterbauch. Kraftvolles, fokussiertes Wirken aus diesem Zustand nennt man im japanischen Zen „Hara-Gai“. Andere Zustände, die in besonderen, oft sehr kritischen Situationen sich durch längere regelmäßige Zen-Meditation hilfreich und spontan öffnen können, sind Beherztheit, Klarheit, intuitives Wirken. Das Ziel der Zen-Meditation ist unser Leben, hier und jetzt.

Das erste Ziel ist es, durch Achtsamkeit, angemessenes Handeln, Herzgeist und Weisheit kritische und unheilsame Situationen erst gar nicht entstehen zu lassen.

 

Zen-Meditation als Weg, nicht als Ziel

Die Zen-Meditation ist die Übung, mit der ich in einen Zustand von Klarheit oder Hara (Erdung) kommen kann, was nicht immer gelingt. Deshalb sitzen wir jeden Tag. Auch Ausdauer hilft uns und so werden wir besser – jeden Tag. Schritt für Schritt. Jeder Mensch hat seine Grenze, aber die Zen-Übung und Zen-Meditation hilft dabei, sie auszuloten und sie zu weiten, bis es keine mehr gibt.

Geht das, gibt es etwas Unbedingtes, etwas Grenzenloses? Finde es selbst heraus.

Wer bin ich?

 

Zen-Meister Hinnerk Syobu Polenski
im Gespräch mit Zen-Leadership Seminarteilnehmern, 2015

Zen, Achtsamkeit, gesund werden – gesund bleiben!

Viele versuchen, auch wenn sie krank sind, weiter zu meditieren. Das ist nur dann ratsam, wenn es wirklich hilft. Oft ist besser und auch erfolgreicher, sich mit Achtsamkeit der Regeneration zuzuwenden und dann wieder fit zu starten.

 

Mit Achtsamkeit sich seiner Heilung zuwenden

Wenn man krank ist, ist man krank – dann wendet man seine Achtsamkeit der Heilung zu und meditiert lieber gar nicht. Sich der Heilung zuwenden, das ist das Allerwichtigste, und deshalb sollte man darauf hören, was dem Körper guttut. Wenn man sich kaum auf den Beinen halten kann und kaum Luft bekommt, ist es alles andere als heilsam, in der Situation eine Übung zu versuchen oder zu meditieren. Die Aufmerksamkeit wendet sich dann eh anderen Dingen zu, und der Effekt ist dahin.

 

Seine Achtsamkeit lenken und sich selbst wieder stärken

Natürlich gibt es im Zen, speziell im chinesischen, Chan-Techniken sich zu heilen, je nachdem, woran man gerade erkrankt ist, aber das ist wieder ein ganz anderes Thema. Generell gilt schon von vornherein, seine Achtsamkeit zu lenken auf das Stärken des Immunsystems und des Qi, der Lebensenergie. Zen bietet dafür die besten Voraussetzungen: Seine Mitte zu finden, das Hara zu stärken, sich Zeit zu nehmen für eine wohltuende Tasse Tee – das gibt dem Körper oft schon viel von dem, was er braucht.

 

Ruhephasen nutzen zur Stärkung und Regeneration

Ist das Kind jedoch schon in den Brunnen gefallen, und man merkt, man ist krank, dann nutzt man eine Ruhephase, um sich zu erholen. Es ist wie beim Sport: Wenn ich krank bin, trainiere ich auch nicht. Ich erhole mich erst mal, und wenn ich wieder fit bin, geh ich gestärkt wieder ins Training. So ist es auch im Zen: Wenn ich merke, es geht mir körperlich wieder gut, dann gehe ich wieder rein und meditiere.

Deshalb gilt vor allem: Gütig mit sich umgehen, das ist sehr wichtig.

 

Zen-Meister Hinnerk Syobu Polenski
im Gespräch mit Zen-Leadership Seminarteilnehmern, 2015