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Zen Leadership in der Kunst der Teamentwicklung

Zen ist in erster Linie eine tiefe Einsicht, dass es keinen Unterschied zwischen mir und dem Anderen gibt.

Die Einsicht und Erfahrung, die sich daraus ergibt, ist achtsame Empathie; den Anderen, die Gruppe so wahrnehmen wie sie ist und fühlt, und nicht wie ich glaube und möchte, daß sie ist. Hier lerne ich durch Achtsamkeit mich zurückzunehmen und dem Anderen Raum zu geben.

Dann Zen-Intuition, auch Klarsicht genannt, das schlagartige Erkennen des Potentials des Augenblicks – dies geht dadurch, dass ich durch Zen meine Ich-Grenze herunterfahre und zum transpersonalen Bewusstsein komme. Wir erkennen unser Wesen und das Wesen unserer Welt. Hier beginnt der tiefe Zen-Weg. Und erst wenn diese Einsicht da ist, beginnt Zen, und daraus entstehen dann diese Kräfte, wodurch Zen sich auszeichnet. Ich wirke nicht mehr primär im Ich, sondern im Wir. Dadurch öffne ich einem Team einen Raum. Ein gutes Team besteht aus einem gemeinsamen Weg. Ein Hochleistungsteam besteht dabei aus sehr verschiedenen Menschen mit besonderen Fähigkeiten.

 

Zen in der Kunst der Teamentwicklung

Geht nur, wenn der Teamleader all diese Aspekte verbindet: Orientierung auf einem gemeinsamen Weg, einen Raum für sehr verschiedene Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten und die verbindende Linie durch diese Verschiedenheit. Die Krone wäre vernetzte Intelligenz, dies setzt dann die Fähigkeit zu transpersonalem Wirken voraus. Das bedeutet aber Training und ein sehr gutes Recruiting.

Zu Beginn bedeutet Zen in der Kunst der Teamentwicklung, Stärkung der gemeinsamen Kreativität und Wirkungskraft, mehr Stressresistenz und mehr Gemeinsamkeit, Verbundenheit.

Dies setzt zwei Dinge voraus: Die erste Bedingung ist, es geht nicht ohne den Teamleader. Im Gegenteil, dieser braucht ergänzendes Training und Coaching. Zweitens, mindestens ein Drittel des Teams sollte Zen-Leadership-Training praktizieren.

Der ideale Weg zu Leadership in einer Organisation ist deshalb: Der Entscheider, Leader, kommt selbst zu einem offenem Zen-Leadership-Seminar, um für sich selbst zu prüfen, ob Zen-Leadership für ihn persönlich der Weg zu mehr Leadership ist.

Wenn er erfährt, dass das passt, gibt er die Idee ins Team weiter, z. B. durch das Buch In der Mitte liegt die Kraft, oder einen kleinen „Teaser“, wie unsere Website, und bietet im persönlichen Gespräch geeigneten und offenen Personen die Teilnahme an offenen Seminaren an, damit auch hier eine persönliche Idee entsteht. Durch diesen Prozess wird das Interesse intern größer, sodass der dritte Schritt ein firmeninternes Seminar sein kann. Andere Organisationen schicken seit Jahren regelmäßig Mitarbeiter, teilweise geht das über Betriebsärzte, über die Personalentwicklung, aber meistens über die Leader selbst.

Zen, Zen-Leadership darf aber immer nur ein Angebot sein. Es ist davon abzuraten, zu sagen, ich habe jetzt ein Team, die kommen alle hierher und machen Zen. Theoretisch muss ich sagen, da würden wir uns drüber freuen, aber wir sind eine Organisation, der an dem Gemeinwohl gelegen ist, und wir wollen den Menschen dienen, und das heißt nützen. Deshalb ist es so, dass es besser ist, anstatt mit 40 Leuten ein Seminar zu besuchen, mit 12 bis 16 ein Seminar zu machen, die neugierig sind. Und dementsprechend dann zu sagen, der Schwerpunkt ist, meinem Führungskräfteteam eine Idee von Zen-Leadership zum Anfassen zu geben. Und dann kann man letztlich so einen Prozess initiieren, der aber nur dann weitergeht, wenn ich selber als Führungskraft diesen Ball intern weiterspiele, und dann kann man ab und zu mal in einem Hin und Her eben solch eine Entwicklung auf den Weg bringen.

Und so haben wir in einigen Firmen Zendos initiiert, also Räume, die speziell dafür ausgerichtet sind, im Sitzen zu meditieren, dem so genannten Zazen. Und inzwischen sind einige dieser Führungskräfte, die theoretisch erst mal als Kunden kamen, heute Schüler, entwickeln sich in erster Linie weiter, geben das weiter, und es entstehen sozusagen Kulturen. Diese ziehen dann aber manchmal auch etwas ganz anderes nach, sodass dann plötzlich Mitarbeiter beispielsweise christliche Kontemplation oder Yoga entdecken ‒ so kann jeder für sich herausfinden, welcher Weg der für sie oder ihn geeignete ist.

 

Zen Meister Hinnerk Syobu Polenski
im Gespräch mit Teilnehmer eines Zen Leadership-Seminars, Frühjahr 2016